for4paws > Presse > Pinneberger-Tageblatt vom 04 Jan 2011

Das Pinneberger Tageblatt schrieb:

Die mit dem Hund tanzt

Jeannette Glatter trainiert ihre und andere Vierbeiner

 

HETLINGEN „Chilli,“ die braunweiße Australian- Shepherd Hündin, lässt Jeannette Glatter nicht aus den Augen. „Chilli“ hat längst bemerkt, dass Frauchen sich anziehen will. Anziehen heißt raus, raus heißt: Arbeiten. Und „Chilli“ möchte arbeiten, das ist das Naturell ihrer Rasse. Und deswegen hat Glatter sich ganz bewusst für sie entschieden. „Aussies sind keine reinen Familienhunde, die müssen etwas tun“, sagt die 38-Jährige. Doch auch wenn „Chilli“ als Familienmitglied bei Glatter, ihrem Ehemann und der fünfjährigen Tochter sowie Dalmatiner „Uno“ lebt, ist sie für Glatter auch eine Kollegin: Mit „Chilli“ trainiert sie Tricks und „Dog Dance“. Denn die 38-Jährige ist ausgebildete Hundetrainerin, ihr Traum ist ein eigener Hundeplatz in Hetlingen, ihrem Wohnort.

 

Eine Wiese hat sie bereits ausgewählt, momentan wartet Glatter auf die Entscheidung der Gemeindevertreter, ob sie die 2500 Quadratmeter Fläche pachten darf oder nicht. Von ihrem eigenen Garten im Neubaugebiet aus hat Glatter freien Blick über die Felder bis zur brachliegenden Wiese, die sie gern nutzen würde. Sie hofft auf eine positive Entscheidung. „Eigentlich waren alle ganz begeistert, und gut sozialisierte Hunde möchte ja jeder haben“, berichtet Glatter von den ersten Reaktionen nach ihrem Antrag in der Gemeindevertretung. „Ganz schön aufgeregt“ sei sie gewesen, als sie im Finanzausschuss ihr Projekt vorgestellt hat. Der Platz soll Treffpunkt für Hundehalter aus der Marsch werden, „um sich auszutauschen, zu klönen, die Hunde spielen zu lassen.“

 

Für Glatter ist Hetlingen Heimat. Nicht zuletzt, seit sie und ihre Familie im Neubaugebiet ein Haus gebaut haben. Ursprünglich ist die Hundetrainerin nicht aus dem Kreis Pinneberg, sondern zugezogen. Sie kommt aus dem Osten Deutschlands, aus Greifswald. 1999 bewarb sich die gelernte Versicherungskauffrau für eine Stelle in Hamburg – und zog nach Wedel. Die Hansestadt kam für Glatter nie als Wohnort in Frage. „Ich bin kein Innenstadtmensch“, sagt die quirlige blonde Frau. Glatters Heimweh währte nur ein halbes Jahr. „Da bin ich auch am Wochenende immer zurück nach Greifswald gefahren“, so Glatter. Von Wedel aus ging es dann „weiter nach außen.“ Lange Zeit lebte Glatter in Holm, bevor sie und ihr Mann nach Hetlingen zogen – zunächst in eine Wohnung, dann in das eigene Haus. Auch Ehemann Sven ist aus dem Osten zugezogen. Er ist Glatters Jugendliebe, und nachdem er in Stralsund studiert hatte, kam er 1997 ebenfalls in den Kreis Pinneberg. Die Greifswalder Nähe zur Ostsee gab die Richtung vor: „Ich muss irgendwo leben, wo Wasser in der Nähe ist. Und es muss Möwen geben.“ Der erste Besuch am Hetlinger Elbstrand sorgte dann für ein Riesen-Staunen: „Boah, ist das geil hier“, habe sie gedacht. Nie hatte sie erwartet, abseits des Meeres einen solchen weißen Sandstrand zu finden. Und Glatter hat auch bei einem ganz anderen, sehr besonderen Anblick das Gefühl, zu Hause zu sein: Wenn sie von Holm Richtung Hetlingen fährt und im Dunkeln die großen Strommasten in der Marsch beleuchtet sind. „Die sehen aus wie Teddys mit Leuchtnasen“, sagt sie schmunzelnd. Als „Brumm-Teddy“ hingegen bezeichnet Glatter „Uno“, den siebenjährigen Dalmatiner-Rüden. Er ist ihr erster wirklich eigener Hund. So gesehen, ist sie erst spät auf den Hund gekommen. „Aber es gab immer welche in meinem Bekanntenkreis. Und schon im Kindergarten habe ich, als wir ein Bild von uns als Erwachsene malen sollten, mich mit Pferd und Hund gezeichnet.“ Ihr Kindheitsprophezeiung ist in Erfüllung gegangen. Denn auch ein Pferd besitzt sie mittlerweile: Eine Isländerstute.

 

Kurz nach der Geburt von Tochter Paula begann Glatter ihre Ausbildung zur Hundetrainerin. „Ich wollte auch mit Kind weiterarbeiten, aber mir wurde klar, dass ich etwas mit Tieren und Menschen machen möchte und nicht mein Leben lang Schäden bearbeiten.“ Sie lernte an einer Hundeschule in Wedel, belegte Seminare und Fortbildungen. Auf Honorarbasis arbeitete sie dort und in Schenefeld weiter.

 

Im Herbst 2010 gründete sie ihre eigene Hundeschule, bietet ihr Training nach dem Belohnungsprinzip und mit Klicker an. Auch „Uno“ kommt zum Einsatz, etwa wenn es um „Begegnungsprobleme“ zwischen Hunden geht. „Er ist super sozialisiert und verträglich“, lobt Glatter den gepunkteten Vierbeiner. Mit ihm übte sie auch Tricks. „Aber ich habe schnell erkannt, dass das nicht so sein Ding ist.“ Dalmatiner seien eben Laufund keine Arbeitshunde. So kam „Chilli“ in die Familie, und soll auch noch für Zuwachs sorgen: Glatter möchte die junge Hündin ein Mal decken lassen. Bis dahin bleibt Zeit zum Üben: Totstellen, Rollen, Männchen machen, „give me five“ oder Mütze abziehen sind alles Kommandos, die „Chilli“ beherrscht. Und noch mehr: Glatter tanzt mit ihr. „Beim ‚Dog Dance‘ wird richtig eine Choreografie zu Musik eingeübt“ erklärt Glatter. Und „Chilli“ ist ganz eindeutig enttäuscht, als die „Arbeitseinheit“ im Garten für die Fotoaufnahmen plötzlich zu Ende sind. Uta Paulus